Unser Land in der Region

Die Nutzung von landwirtschaftlichem Grund und Boden für den ökologischen Landbau darf nicht von Spekulation bestimmt werden. Ökologische Landwirtschaft soll vielmehr die Fruchtbarkeit des Bodens langfristig bewahren und nachhaltig steigern, hochwertige Lebensmittel in Verbindung mit größtmöglicher Biodiversität hervorbringen und Menschen und Tieren damit eine gesunde Lebensgrundlage schaffen. Sie pflegt und bewahrt Kulturlandschaften als Ort und Heimat für menschliche Gemeinschaften.

Preise für Agrarland steigen kräftig

Die Preise für landwirtschaftliche Nutzfläche sind laut einem Situationsbericht des Bauernverbands in den letzten Jahren zum Teil kräftig gestiegen, wobei die Entwicklung in unserer Region noch moderat verlief. Die geografische Kommission für Westfalen führt in einem Bericht über Kaufpreise für landwirtschaftliche Nutzflächen folgende überregionale Gründe hierfür an:

  • Weltweit, aber auch innerhalb Europas und Deutschlands, nehmen die Bemühungen kapitalkräftiger, größtenteils auch außerlandwirtschaftlicher Investoren zu, Agrarland als Kapitalanlage oder Spekulationsobjekt zu erwerben.
  • Viele mittelgroße Betriebe sehen langfristige Überlebenschancen nur in der Vergrößerung ihrer Systeme. Solche Betriebe wollen ihre Viehbestände vergrößern, brauchen dazu aber mehr Fläche – wegen der Futtermittelproduktion, aber auch, um die größeren Güllemengen ausbringen zu können.

und schließt daraus "Wenn tatsächlich nur die "großen" Betriebe überleben, wird das "Sterben" der kleineren und mittleren Betriebe weitergehen. Laut IT.NRW hat sich in Westfalen die Anzahl der Betriebe unter 50 ha Landwirtschaftsfläche im Zeitraum von 1991 bis 2013 ungefähr halbiert, die der Betriebe mit mehr als 100 ha dagegen etwa verdreifacht."

Streubesitz im Siegerland wird häufiger verkauft

Feldbegehung

Die Landwirtschaft im Siegerland und angrenzenden Regionen, wie Sauerland oder Westerwald, ist erbrechtsbedingt durch kleine Parzellen von durchschnittlich 0,25 Hektar geprägt, die in Streubesitz sind. Pachten werden bisher in der Regel nicht erhoben bzw. mündlich vereinbart. Ackerflächen, die zusammenhängend bewirtschaftet werden, bestehen meistens aus mehreren verschiedenen Flurstücken mit unterschiedlichen Eigentümern. Die aktuell eintretende Erbengeneration hat oft nicht mehr eine so enge Bindung an das Land und ist daher verkaufsbereiter.

Die NRW-Stiftung sucht derzeit im Wege des Flächentausches Naturschutzgebiete zu arrondieren. Auch hierdurch kommt Bewegung in die Eigentümerstruktur.

Der Strukturwandel birgt Risiken

Für den Birkenhof besteht das Risiko, dass bei einem Verkauf einzelne Parzellen aus einem größeren bewirtschafteten Schlag ausgegliedert werden, weil der neue Eigentümer einen anderen Bewirtschafter bevorzugt oder selbst die Parzellen bewirtschaften möchte. Eine wirtschaftliche Bearbeitung der Fläche kann dadurch erheblich erschwert werden. Dazu kommt, dass der Birkenhof eine Mindestgröße benötigt, um sinnvoll arbeiten zu können. Viele kleine Flächenverluste könnten die Betriebsgrundlage in Frage stellen.

Landkauf durch die Landwirtschaftliche Gemeinschaft Siegerland e.V.

In der Vergangenheit konnte der Trägerverein des Birkenhofs bei Gelegenheit Land ankaufen und aus Spenden oder aus Leihgeld finanzieren. Leihgelder haben jedoch den Nachteil, dass neue Kreditgeber gefunden werden müssen, wenn ein Leihgeldgeber seinen Betrag benötigt.

Gründung der BioAcker eG zur Finanzierung von Landkauf

Nachhaltige Landwirtschaft muss in längeren Zeiträumen organisiert werden als auf der Basis von Leihgeld gewährleistest werden kann. Eine Arbeitsgruppe des Initiativkreises des Vereins fand in einer gewerblichen Genossenschaft den geeigneten Rahmen für die langfristige Finanzierung von Landkauf. Die Idee zur BioAcker eG war geboren. Sie wurde am 20.05.2015 gegründet. Die BioAcker eG erwirbt mit Geschäftsguthaben der Mitglieder landwirtschaftliche Flächen zur Verpachtung an den Birkenhof. Später können andere Höfe dazukommen unter der Bedingung einer regional eingebundenen ökologischen Bewirtschaftung. Laut Satzung "sollen die Mitglieder der Genossenschaft in Gemeinschaft mit den Menschen auf den Höfen die Möglichkeit haben, persönliche Verantwortung für Grund und Boden wahrzunehmen und sich am Leben der Betriebe zu beteiligen. Die Genossenschaft möchte damit zur Entwicklung neuer und zukünftiger Eigentumsformen für eine nachhaltige Landwirtschaft beitragen."

Die BioAcker eG schüttet keine Dividende aus. Das innovative Pachtmodell sieht die Umlage der Betriebskosten auf die Landnutzer vor. Erste Flächen konnten schon erworben und für die ökologische Landwirtschaft gesichert werden.